Die wohl lustigste Sequenz der zweistündigen Dokumentation "Twenty" (Pearl Jam Rockumentary) ist die, als Bandmitglied Stone Gossard nach Pearl Jam-Devotionalien aus den vergangenen zwei Jahrzehnten Bandgeschichte in seinem Zuhause gefragt wird. Gossard sammelt nichts, da er ohnehin alles verliert und so findet sich in seinem Haus auch nicht mehr als es das bei einem halbherzigen Fan der Band täte: ein paar CDs ("damit er die Songs nicht vergisst"), eine alte Konzert-DVD und eine Pearl Jam-Kaffeetasse aus Mexico-City, deren Boden von Kaffeeresten vollkommen verkrustet ist, sodass sie umgehend in der Spülmaschine verschwindet. Schlussendlich findet sich im Keller neben allerlei Gerümpel ein verstaubter Grammy, der bedeutendste Musikpreis weltweit. Dass für die Band aus Seattle solche Preise keinerlei Bedeutung hatten und haben, konnte besser nicht unter Beweis gestellt werden - und genau das macht die Band für ihre eingefleischten Fans so einmalig. Pearl Jam hat sich im harten und bisweilen unmenschlichen Musikbusiness behauptet, ganz ohne sich zu verbiegen oder zur Kommerzmaschine zu mutieren - nunmehr 20 Jahre lang. Dieses Jubiläum ist der Anlass für diese Rockdokumentation von Musikjournalist und Filmregisseur Cameron Crowe, der Band seit ihren Anfängen begleitet.
In ausgewählten Kinos weltweit konnten am Dienstag, den 20. September, Fans und Musikliebhaber in die 20-jährige Bandgeschichte eintauchen, von den Gründungsbands "Temple of the Dog" und "Mother Love Bone" ausgehend, bis zum Hype über das "Phänomen Grunge" und dem kometenhaften Aufstieg der US-Band, durch alle Höhen und Tiefen der vergangenen zwanzig Jahre Pearl Jam. Wer die Kinovorstellung verpasst hat, der kann ab 21. Oktober die DVD käuflich erwerben - und das lohnt wirklich.
Zwei kurzweilige Stunden, gespickt mit Videomaterial aus dem Privatarchiv Cameron Crowes, den mit Pearl Jam eine Freundschaft seit den Neunziger Jahren verbindet. Höchst sehenswerte Passagen ihrer Live-Auftritte, interessante Interviews, humorige Stellen, aber auch berührende Blicke auf die dunklen Tage der Band, wechseln sich ab - ganz ohne Pathos oder Verklärung. Wie nah sich Filmemacher und Band stehen, zeigt ein Interview mit Leadsänger Eddie Vedder, bei dem Vedder Tränen in die Augen schießen - einer der zutiefst bewegenden Momente des Films.
"Twenty" ist eine musikalische Zeitreise, die den Mythos einer der größten Rockbands aller Zeiten verdeutlicht - und sicher auch für junge Zuschauer geeignet ist, die die US-Band gar nicht kennen. Für die treuen Fans der Band ist der Film ein absolutes Muss.
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